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Vogelwelt auch im Naturpark Harz gefährdet

Entwicklung des Starenbrutbestandes

Entwicklung des Starenbrutbestandes in einem Untersuchungsgebiet im Naturpark Harz (Graphik: Dr. Klaus George)

Quedlinburg. Gerade hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine scheinbar gute Nachricht verbreiten lassen: Zur „Stunde der Wintervögel“ wurden am vergangenen Wochenende pro Garten 39 Vögel gezählt. Im Vorjahr waren es nur 34. Doch welche Botschaft ist mit diesem Ergebnis verbunden?

Nehmen wir beispielsweise den Star, vom NABU zum Vogel des Jahres 2018 bestimmt. Er ist im Moment nur selten zu beobachten. Stare überwintern meist in Südeuropa, von wo sie in der Regel erst ab Februar zurückkehren. Werden es viele sein? Schwärme der Heimkehrer könnten diesen Eindruck erwecken. Doch erst, wenn die Vögel verpaart und im Brutgebiet verteilt sein werden, lassen sich seriöse Bestandszahlen ermitteln. Auf einer 52 ha großen Kontrollfläche im Naturpark Harz ist dies in den letzten Jahren geschehen. Das Ergebnis sollte zu denken geben, so Naturparkleiter Dr. Klaus George. Wurden im Jahr 1996 noch 14 besetzte Bruthöhlen gezählt, waren es 2017 nur noch zwei!

Wie könnte dieser aus Sicht des Naturschutzes Besorgnis erregenden Entwicklung begegnet werden? Die Untersuchungen im Naturpark Harz unweit von Güntersberge haben jedenfalls gezeigt, dass es keinen Mangel an Brutplätzen gibt. Viele einstmals genutzte Baumhöhlen blieben im Laufe der Jahre schlichtweg leer. Um sich mit Futter versorgen zu können, fliegen Stare aus dem Wald ins Offenland. Anfangs werden sie dort auf Wiesen und Ackerland noch fündig. Doch wenn etwas später die Jungvögel anfangen um Nahrung zu betteln, hat sich die Fläche, auf der ein Star Insekten finden könnte, bereits dramatisch verkleinert.

Infolge der Klimaerwärmung wird längst auch in höheren Lagen Wintergetreide angebaut. Dies, mehr Vegetationstage und in der Landschaft zunehmend zur Verfügung stehender Stickstoff haben zur Folge, dass Gras auf Wiesen und Weiden bzw. Getreide oder Raps auf Äckern sehr früh hohe und dichte Bestände bilden. Auf solchen Flächen hat ein Star keine Chance mehr, mit seinem spitzen Schnabel erfolgreich nach Nahrung zu stochern.

Rinder, deren Zahl seit Anfang der 1990er Jahre im Naturpark Harz ebenfalls stark gesunkene ist, werden überwiegend auf Portionsweiden gehalten. Dabei entstehen die kleinen, zeitweilig vorhandenen Rettungsinseln mit kurzer Vegetation, die den wenigen verbliebenen Brutpaaren des Stars außerhalb unserer Ortschaften das Überleben und die erfolgreiche Aufzucht ihrer Jungen sichern. Am Beispiel des Vogels des Jahres wird also deutlich, dass auch in den Wäldern brütende Vogelarten in hohem Maße davon betroffen sind, wie heute Landwirtschaft betrieben wird. Nistkästen und Winterfütterung sind jedenfalls nicht die Rettung für eine im Wald brütende Zugvogelart. Gebraucht wird mehr weidendes Vieh und eine größere Vielfalt angebauter Fruchtarten, darunter auch Sommergetreide wie Hafer und Braugerste oder Ackerfutter wie z. B. Klee.

PM:
Regionalverband Harz e. V.
www.harzregion.de

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