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Die gesellschaftspolitische Dimension des Krimis – Mordsharz in Bad Lauterberg mit Liliane Skalecki, Biggi Rist, Zoë Beck und Volker Kutscher

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Lesung beim Mordsharz-Festival in Bad Lauterberg / Foto: Veranstalter

Volker Kutscher ist der derzeit vielleicht interessanteste deutschsprachige Krimiautor. Seine in den 1930er Jahren spielenden Krimis drehen sich nicht nur um Kommissar Gereon Rath, sondern auch um die damaligen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Berlin und im Land, die Kutscher erfreulich unaufgeregt und ohne den Blick des danach Geborenen erzählt.

Somit war seine Lesung aus „Lunapark“ definitiv einer der Höhepunkte des Mordsharz-Festivals, dass sie auch noch im Anschluss an Zoë Becks ebenfalls recht politischen Krimi „Die Lieferantin“ stattfand, machte beide umso eindringlicher. „Ich will nicht sagen: Geschichte wiederholt sich’, denn das ist zu einfach“, stellte Kutscher schließlich im Talk fest, „aber ich denke, wir leben in Zeiten, in denen die Welt wieder deutlich unruhiger wird und in der Gesellschaften gespalten werden.“

Dieser letzte Festivalabend in Bad Lauterberg zeigte deutlich, welche gesellschaftliche Dimension Krimi haben kann, die Kunst vielleicht haben muss. Bevor allerdings Zoë Beck und Volker Kutscher aus ihren Büchern lasen, präsentierten sich Biggi Rist und Liliane Skalecki dem Publikum mit ihrem gemeinsam geschriebenen Krimi „Frostkalt“, in dem ein in einer Krippe ausgesetztes Baby gefunden wird und kurz darauf ein Mord passiert, für den es gleich eine ganze Reihe Verdächtiger gibt.

Gemeinsam zu schreiben sei für die beiden Autorinnen kein Problem, verrieten sie. Zunächst machen sie sich einen groben Plan über die Handlung, dann werden die Kapitel aufgeteilt, jede schreibt für sich und anschließend wird alles zum gemeinsamen Buch zusammengefügt. Das praktizieren sie jetzt seit mehreren Büchern und es mache ihnen sogar mehr Spaß als nur für sich alleine zu schreiben.

Zoë Becks „Die Lieferantin“ beginnt wesentlich weniger harmonisch, dort wird nämlich zu Beginn ein Gastronom von einem zwielichtigen Mann aufgesucht, der Schutzgeld verlangt und diese Forderung nicht überlebt. „Wenn Sie zufällig mal Ihren Schutzgelderpresser erschießen sollten, dann können Sie davon ausgehen, dass das nicht ohne Folgen bleibt“, riet sie ihren Zuhörern. In ihrem Buch ist dies der Auftakt für einen gefährlichen Bandenkrieg in der Londoner Unterwelt, der sich bis in höchste politische Kreise zieht.

Um letztere geht es auch in „Lunapark“, dem aktuellen Roman von Volker Kutscher, der den Ermittler Gereon Rath immer wieder mit Beamten der Gestapo und der SA aneinandergeraten lässt. Allerdings las Kutscher ganz exklusiv für das Mordsharz-Publikum auch eine Szene aus seiner neuen Kurzgeschichte „Plan B“. Er las die digitale Version, denn die Geschichte ist gedruckt gar nicht erschienen. Der Literaturmarkt sei nun einmal im Umbruch, erläuterte der Autor später, das sei grundsätzlich auch kein Problem, nur müsse seiner Meinung nach dafür gesorgt werden, dass durch die Wahrung von Urheberrechten die Literatur keinen Schaden nehme.

Insgesamt war es ein äußerst spannender Abend, bei dem auch über die Bücher hinaus viele Themen zur Sprache kamen, die auch, aber nicht nur mit Krimi zu tun haben. Kein Wunder also, dass auch das Café Amadeus im Kurpark rappelvoll war und die Besucher wie auch die Veranstalter und die Autoren am Ende eines langen Krimitages glücklich den Heimweg antraten.

PM:
Christian Dolle
www.mordsharz-festival.com

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