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Ausgesuchte Krimi-Leckerbissen – Dritter Mordsharz-Festivaltag mit Alexandra Kui, Hardy Crueger, Friedrich Ani und den drei ???

dittert klinkenberg

Während Christoph Dittert las, machte Jörg Klinkenberg die Geräusche. / Foto: Veranstalter

Friedrich Ani, Alexandra Kui und Hardy Crueger sorgten in Wernigerode für die dritte lange Kriminacht beim Mordsharz-Festival. Ihre Bücher sind sehr unterschiedlich und doch fügten sie sich an diesem Abend irgendwie zu einem Ganzen. Kui und Ani verzichten auf die krimitypische Erzählstruktur mit einem Ermittler im Mittelpunkt und schildern ihre Geschichten auf ihre ganz eigene Weise. Crueger und Kui lassen ihre Fälle im Harz spielen, obwohl beide Autoren keine klassischen Harzautoren sind. Und Ani und Crueger wiederum verbindet, dass in ihren Romanen Geistliche und spezielle Glaubensauffassungen eine nicht unwichtige Rolle spielen.

Bevor die drei Autoren in der Remise lasen, gab es gegenüber im Rathaussaal allerdings noch ein besonderes Highlight. Die drei ??? wurden von Autor Christoph Dittert und Geräuschemacher Jörg Klinkenberg präsentiert. „Theater… ist es nicht. Kino… ist es auch nicht. Eine Lesung… ist es ein bisschen“, kündigte Christoph Lampert, neben Susanne Kinne und Roland Lange einer der Organisatoren des Festivals, dieses besondere Event an. Besonders, weil Christoph Dittert aus seinem drei ???-Buch „Der gefiederte Schrecken“ las und Jörg Klinkenberg dazu live die Geräusche machte.

Kinder wie Erwachsene hörten den beiden fasziniert zu, denn sie zauberten ein riesige Aquarium, das seltsame Vogelwesen und später sogar Graf Dracula auf die Bühne. Zumindest bei geschlossenen Augen. Mit offenen Augen waren es allerlei Alltagsgegenstände, denen der Geräuschemacher die unglaublichsten Sounds entlockte und selbst der Vampirfürst entpuppte sich als simple Paprika.

Ganz so bildlich ging es am Abend dann nicht zu, auch wenn die drei Autoren die Fantasie ihrer Zuhörer, insbesondere ihre dunklen Abgründe, ebenfalls forderten. In Alexandra Kuis „Rabenseele“ ging es um eine Frau, die für den Mord an ihrem Ehemann verurteilt wurde und die auch nach einigen Jahren hinter Gittern von der Vergangenheit nicht losgelassen wird. Auffällig an ihrem Roman ist insbesondere ihr Spiel mit Sprache und die kalte Harzstimmung, so dass gleich zu Beginn auch die Natur selbst zur Erzählerin wird. „Ich mache gerne Prologe, die so ein bisschen durchgeknallt sind“, erläuterte sie.

Durchgeknallt sind in Hardy Cruegers „Die Stunde der Flammen“ vor allem einige Nebenfiguren, die der Autor durch pointiertes Lesen, eigentlich eher Schauspiel, bildlich auf die Bühne brachte. Doch das Lachen über diese schonungslos beschriebenen, sehr lebensechten Typen, blieb vielen im Halse stecken als er ihnen Szenen gegenüberstellte, in denen ein junges Mädchen in einem dunklen Keller von ihren Entführer auf auf subtile und perfide Weise gequält wird.

Bei Friedrich Ani stellte sich die Gänsehaut vor allem dadurch ein, dass er in seinem „Nackter Mann, der brennt“ nicht alles direkt ausspricht, sondern viele Details der Geschichte um Missbrauch und Schuldgefühle, die Kinder bis ins Erwachsenenalter verfolgen, nicht ausspricht, sondern der Fantasie überlässt. Dadurch ist der Roman im besten Sinne sehr literarisch, sprachlich ausgefeilt und voller sehr real erscheinender Schrecken, der einen tiefen Einblick in die gequälte Seele der Hauptfigur gewährt.

Insgesamt war es somit ein Festivaltag voller Highlights, für jeden Geschmack gab es echte Leckerbissen und insgesamt wurde die Bandbreite und nicht zuletzt auch die Qualität des Genres Krimi aufgezeigt.

PM:
Christian Dolle
www.mordsharz-festival.de

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