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Filigrane Sprache vor düsterem Hintergrund – Alexandra Kuis „Rabenseele“ ist ein Geheimtipp in der Krimiszene und am Freitag bei Mordsharz

rabenseele

Am Freitag liest Alexandra Kui aus Rabenseele / Foto: Veranstalter

Wenn das ganze Leben zerbricht, wenn es keine Perspektiven mehr bietet, dann breitet sich unendliche Dunkelheit in der Seele aus. Diese führt oft zu unkontrollierbarer Aggression, aber manchmal auch zu lähmender Duldsamkeit, die jedes andere Gefühl auffrisst. Was bleibt dann am Ende von einem Menschen übrig, der seine Zukunft verbaut und seine Gegenwart hat bedeutungslos werden lassen? Nichts als der quälende Blick in den Abgrund der Vergangenheit.

„Rabenseele“ von Alexandra Kui lässt sich nicht ohne weiteres als Krimi einordnen. Zwar dreht sich die Geschichte um einen Mord, doch der Roman bricht mit den gängigen Mustern, taucht ab in die Gefühlswelt der Hauptfigur. Nicht bestechende Logik wird hier zelebriert, sondern Verzweiflung und Ausweglosigkeit dargestellt, die unerträgliche Beklemmung zwischen Schuld und Rechtfertigung beschrieben.

Lua hat ihren Mann erschossen. In dem ruhigen Tal im Harz griff sie nach einem Streit sein Jagdgewehr und ein Schuss setzte ihrem bisherigen Leben ein plötzliches Ende. Nach Jahren im Gefängnis versucht sie einen Neuanfang, wird aber immer wieder von den Schatten ihres früheren Lebens eingeholt. Als es ihr nicht gelingt, sich weiterhin einfach treiben zu lassen, kehrt sie zurück an jenen Ort im Harz, um ihre Seele endlich frei zu machen von dem, was damals geschah.

Alexandra Kui ist keine Harzerin, auch wenn sie ein Volontariat bei der Goslarschen Zeitung absolvierte. Ihr „Rabenseele“ ist auch kein Harzkrimi, auch wenn sie die typisch düstere Stimmung wunderbar als Hintergrundrauschen einzusetzen weiß. Doch die Autorin und ihr Buch sind ein echter Geheimtipp in der aktuellen Krimiszene. Nicht etwa, weil sie eine völlig neue Geschichte erzählt, sondern weil sie sich auf das besinnt, was Literatur ausmacht.

Kui erzählt in mit Bedacht ausgewählten Worten, schafft Sätze, die wie Musik komponiert sind, und fesselt vor allem durch die filigrane Sprache, die auch noch passgenau auf die verletzliche Psyche ihrer Protagonistin zugeschnitten ist. Dadurch ermöglicht sie ein tiefes Eintauchen in die Geschichte und die ermattete Seele ihrer Lua.

Besonders gelungen ist ihr auch die Schilderung des Tals im Harz, das von der Welt abgeschottet Idylle und Düsternis vereint. Es wird zum Symbol der Zuflucht vor der Welt da draußen ebenso wie der Bedrohung durch eine aufgestaute Vergangenheit, die hier nicht vom Wind weggetragen werden kann. So ist Lua gezwungen, sich hier mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und natürlich stößt sie dabei allmählich auf die dunklen Flecken, die sie bisher noch nicht kannte.

So fein und eindringlich die heutige Lua aber auch beschrieben ist, so grob und undifferenziert wirken manchmal die Nebenfiguren und sogar die frühere Lua. Allzu viele Stereotypen schleichen sich hier in Kuis Geschichte, die sich zwar dadurch auf die Hauptfigur konzentriert, aber auch etwas an Glaubwürdigkeit verliert. Die Bewohner des Tals und auch Luas Familie kommen geradezu eindimensional daher, was sicher einer Absicht unterliegt, bestimmt aber nicht jedem gefällt.

Vielleicht kann Alexandra Kui selbst Licht ins Dunkel bringen, wenn sie am Freitag, 16. September, um 18 Uhr in der Remise in Wernigerode aus „Rabenseele“ liest. Das weitere Programm des diesjährigen Mordsharz-Festivals ist unter www.mordsharz-festival.de zu finden.

PM:
Christian Dolle
www.mordsharz-festival.de

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