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Kühler Krimi, der Abgründe zutage treten lässt – Anna Grue: „Das falsche Gesicht“ – Am 15. September in Goslar

Das falsche Gesicht

Buchtitel: Das falsche Gesicht / Foto: Veranstalter

Krimis aus dem Norden Europas stehen seit einigen Jahren für eine gelungene Mischung aus kühler Spannung und literarischer Qualität. Warum das so ist, zeigt sich beispielsweise an dem neuen Buch der dänischen Bestsellerautorin Anna Grue. Zum Mordsharz-Festival wird sie in Goslar gemeinsam mit der deutschen Stimme von James Bond, Dietmar Wunder, aus „Das falsche Gesicht“ lesen, doch selbst ohne diesen prominenten Vorleser ist ihr Roman eine Bereicherung der nordischen Krimilandschaft.

Eine junge Lehrerin wird blutüberströmt in ihrem Haus aufgefunden, offenbar mit großer Wut erschlagen. Dabei war sie an ihrer Schule ebenso engagiert wie bei Schülern und Kollegen beliebt, so dass schon bald ihre Lebensgefährtin, die Polizistin Pia Waage ins Visier der Ermittler gerät. Als sich herausstellt, dass das Opfer schwanger war und Pia nichts davon wusste, scheint der Fall zunächst klar.

Doch Pia engagiert den Detektiv Dan Sommerdahl, der das Umfeld der beiden, die die lesbische Beziehung der beiden ablehnenden Eltern und auch die Lehrer und einige Schülern noch einmal genau unter die Lupe nimmt. Schließlich stößt Dan auf eine seltsame Spendenaktion, bei der es um eine Selbstverteidigungsschule für Mädchen in Saudi-Arabien geht. Irgendetwas scheint damit nicht zu stimmen und er fragt sich mehr und mehr, ob diese Spur mit dem Mord zu tun haben könnte. Der brutale Mord erschüttert das Leben aller Protagonisten des Buches, bei manchen fördert er im Zuge der Ermittlungen dunkle Abgründe zutage. Gerade diese Glaubwürdigkeit der Figuren ist ein Merkmal vieler Skandinavien-Krimis und auch eine besondere Stärke von Anna Grue. Sie zeichnet keine Schablonen, sondern echte Menschen mit vielen Facetten und vor allem mit Ecken und Kanten, die ebenso interessant wie sympathisch machen. Umso härter wirkt es, wenn dann die Masken fallen und einige von ihnen ihr wahres Gesicht zeigen.

Es ist also nicht der Mord zu Beginn, der erschüttert, sondern vielmehr das, was er mit den Menschen im Umfeld der Toten macht. Es geht nicht um Brutalität, sondern um jenen für Leser nachvollziehbaren Schrecken, der erschütternd real wirkt und ein Stück weit hilflos macht. Hinzu kommt die liberale Gesellschaft, die den Krimi anders als viele in alten Klischees verhaftete oder bemüht damit spielende amerikanische und auch deutsche Fernsehkrimis sehr modern macht. Es sind soziale Probleme unserer Zeit, die immer wieder anklingen, ob nun ganz direkt oder als feine Stimmung im Hintergrund.

Wie Grue die lesbische Beziehung einer Lehrerin mit all den Problemen, die es mit sich bringen kann, zum Thema macht, wirkt keinesfalls aufgesetzt oder überzogen, sondern fügt sich in den spannenden Fall ein. Sie schrieb kein aufdringliches Moralportrait einer freien Gesellschaft, sondern in guter Tradition einen Krimi, der den Fall nie aus den Augen verliert, einige falsche Fährten legt und sich am Ende zu einem überzeugenden Ganzen zusammenfügt.

Ganz werden die Autorin und Dietmar Wunder den Roman am Donnerstag, 15. September, ab 21 Uhr in der Goslarer Kaiserpfalz nicht vorlesen können. Insofern lohnt es sich durchaus, das Buch vorher oder beim Mordsharz-Festival zu kaufen und nicht nur signieren zu lassen, sondern auch wirklich zu lesen.

PM:
Mordsharz-Festival
www.mordsharz-festival.de

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