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Arbeitsagentur engagiert sich für Ausbildungs- und Jobchancen von Menschen mit Handicap

teutloff reha

Marcella Lange (Teamleiterin Berufsberatung und Rehabilitation der Agentur für Arbeit Halberstadt), die beiden Geschäftsführer Burkhard Fenner und Stephan Schmidt (Teutloff-Sozialwerk für berufliche Bildung und Rehabilitation gemeinnützige Gesellschaft mbH Wernigerode) und Heike Schittko (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Halberstadt im Gespräch mit Ausbilder André Bollmann und den Azubis des ersten Ausbildungsjahres (Fachpraktiker/in für Holzverarbeitung) in der Holzwerkstatt / Foto: Agentur für Arbeit Halberstadt

Die Jobchancen für schwerbehinderte Arbeits- und Ausbildungssuchende verbesserten sich trotz eines guten Arbeitsmarkts wenig, obwohl deren Beschäftigung Vorteile bietet. Oftmals verhindern noch Barrieren und Vorurteile in den Köpfen der Unternehmen eine Beschäftigung, dabei könnten Menschen mit Handicap helfen, den Fachkräftebedarf der Region, insbesondere im Handwerk und der Gastronomie zu decken.

Im Rahmen der vierten bundesweiten „Aktionswoche für Menschen mit Behinderung“ in der ersten Dezemberwoche engagiert sich die Arbeitsagentur Halberstadt für die gleichberechtigte Teilhabe dieser Männer und Frauen an unserer Gesellschaft und Arbeitswelt. Hierbei möchte Heike Schittko, Vorsitzende der Geschäftsführung der Halberstädter Arbeitsagentur, die Öffentlichkeit und insbesondere die Unternehmen dafür sensibilisieren, dass Menschen mit Handicap ganz selbstverständlich ihren Beitrag zu Gesellschaft und Arbeit leisten können. Dabei soll u. a. deutlich werden, dass es eine Aufgabe aller ist, die Leistungsfähigkeit dieser Männer und Frauen anzuerkennen und ihnen so Chancen zu eröffnen, sich in der Arbeitswelt zu behaupten. „Deshalb suchen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt Unternehmen auf, um mit ihnen das Gespräch zu suchen und ihnen Fach- oder Nachwuchskräfte für momentan unbesetzte Stellen vorzuschlagen. So wollen wir mögliche Vorbehalten und Unsicherheiten bei den Arbeitgebern möglichst ausräumen. Manchmal kann sich das Leben von einer Minute zur anderen grundlegend ändern. Nicht behindert zu sein ist kein Verdienst, sondern vielmehr ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann“, so Heike Schittko, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Halberstadt, zu dem wichtigen Thema Inklusion – Teilhabe am Arbeitsmarkt.

Aufgrund der demografischen Entwicklung können es sich Unternehmen heutzutage nicht mehr leisten, das in der Region vorhandene Potential an Arbeits- und Nachwuchskräften ungenutzt zu lassen. Vielmehr sollten alle Arbeits- und Ausbildungssuchenden bei Personalentscheidungen mit in Betracht gezogen werden, um den Fachkräftebedarf künftig decken zu können. Dies betrifft besonders das Handwerk und die Gastronomie, die bereits heute schon akute Nachwuchssorgen und Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung haben. Hierbei gibt es vielfältige Unterstützungsangebote der Arbeitsagentur und anderer Partner.

Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten sinkt weniger stark − viele Unternehmen zahlen lieber die Ausgleichsabgabe
Der Arbeitsmarkt im Landkreis Harz zeigt sich derzeit insgesamt stabil. Die Arbeitslosigkeit ist in diesem Jahr auf dem niedrigsten Stand seit Anfang der 1990er Jahre. Doch leider geht der positive Trend bislang an den Menschen mit Behinderung weitestgehend vorbei. So waren Ende November 2014 insgesamt 261 schwer behinderte Männer und Frauen im Landkreis Harz arbeitslos gemeldet. Bei der Beschäftigungsquote von Schwerbehinderten trägt Sachsen-Anhalt (3,8 Prozent) bundesweit die „rote Laterne“. Bundesweit und in Ostdeutschland liegt die Quote bei 4,6 Prozent. Im Landkreis Harz liegt der Anteil der Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitnehmern, die schwer behinderte Menschen beschäftigen mit 3,7 Prozent deutlich unter der gesetzlichen Mindestquote von fünf Prozent.

Betriebliche Ausbildung und 1. Arbeitsmarkt − Integrationsziele Nummer eins
„Menschen mit Handicap gehören, sofern möglich, in eine betriebliche Ausbildung und danach in reguläre Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Unser Ziel heißt Inklusion und die muss schon mit der Ausbildung anfangen. Dies müssen wir noch stärker in die Öffentlichkeit bringen“, betonte Schittko. Deshalb informierte sie sich im Rahmen der Aktionswoche beim Teutloff-Sozialwerk für berufliche Bildung und Rehabilitation gGmbH in Wernigerode über die Ausbildungsinhalte der neu geregelten Fachpraktiker-Ausbildungen und die bisherigen Integrationsergebnisse in betriebliche Ausbildungen und in Arbeit. Burkhard Fenner, Geschäftsführer des einzigen Trägers einer wohnortnahen Rehabilitationseinrichtung im Landkreis Harz, stellte die Ausbildungen zum/zur Fachpraktiker/in für Bürokommunikation, Holzverarbeitung, Hauswirtschaft, Küche (Beikoch/-köchin) und Metallbau vor, in denen Jugendliche im Rahmen einer drei bis dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit ihre theoriereduzierten Berufsabschlüsse erwerben. Mit der Abschlussbezeichnung Fachpraktiker/in wurde der sprachliche Bezug zu den anerkannten Ausbildungsberufen hergestellt und die überholten Begriffe Helfer/-in und Werker/-in abgelöst. Dies wurde jedoch noch nicht durch alle Kammern umgesetzt. Deshalb werden vor Ort weiterhin noch Jugendliche in den Berufen Werker/in im Garten- und Landschaftsbau sowie Bauten-und Objektbeschichter/in ausgebildet.

Aktuell befinden sich 152 lernbeeinträchtige und körperlich behinderte Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen und in Ausbildungen oder werden in betrieblichen Ausbildungen begleitet. Dabei werden sie von 40 Sozialpädagogen, Psychologen, Lehrkräften und Ausbildern intensiv betreut und entsprechend der Ausbildungsvorschriften ausgebildet. Darüber hinaus unterstützt der Träger die Jugendlichen beim Erwerb des Führerscheins und bietet Zusatzqualifikationen wie beispielsweise Stapler-, Minibagger- und Radladerausbildungen an, um die Jugendlichen optimal auf spätere Jobs vorzubereiten. Im Rahmen ihrer Ausbildung absolvieren alle betriebliche Praktika in Unternehmen der Region. Der bisherige Erfolg der gemeinsamen Vermittlung durch den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur, den Integrationsfachdienst und dem Träger beruht sowohl auf der hohen Ausbildungsqualität, der Motivation der Jugendlichen und der praxisbezogenen Ausrichtung anhand der Anforderungen der Wirtschaft. So konnten bislang 76 Prozent der Teilnehmer erfolgreich in Arbeit vermittelt werden. In Einzelfällen war sogar ein sogenannter Durchstieg in die Ausbildung zum Vollberuf möglich. Trotz dieser guten Ergebnisse sehen Burkhard Fenner und Heike Schittko noch Potential für Ausbildungen und Beschäftigungen im Handwerk sowie in der Gastronomie und bieten auch allen anderen Unternehmen eine intensive Beratung und Unterstützung an.

„Als moderne und soziale Gesellschaft muss es unser Ziel sein, jeden gleichberechtigt am Arbeitsleben teilhaben zu lassen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Das bedeutet auch, nicht die Menschen mit Behinderung passen sich an ihr Umfeld an, sondern wir alle organisieren den Alltag und damit auch die Arbeit so, dass diese Männer und Frauen selbstverständlich mittendrin und dabei sind. Jeder Mensch versucht, sein Leben in die Hand zu nehmen, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Das gilt für behinderte Menschen genauso wie für Nichtbehinderte. Dabei sollten wir uns alle auch immer wieder vor Augen führen, dass nicht behindert zu sein ein Zustand ist, der jeden Tag beendet sein kann“, gibt Schittko abschließend zu bedenken.

PM:
Agentur für Arbeit Halberstadt
38817 Halberstadt
www.arbeitsagentur.de/halberstadt

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