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BUND und NABU: Rückhaltebecken Bornhausen bei Seesen ist Hochwasserschutz von gestern!

Talabschnitt der Schildau

Blick in den Talabschnitt der Schildau, der dem Rückhaltebecken geopfert werden soll. Foto von Sven Ladwig.

Seesen. Die großen Naturschutzverbände des Kreises Goslar, BUND und NABU, kritisieren das geplante Hochwasserrückhaltebecken vor Bornhausen. Bei der Anlage handelt es um eine mit ca. 8 Millionen € kalkulierte Baumaßnahme, die kaum etwas bewirken wird, dafür aber in erheblichem Umfang Natur zerstört und in das schutzwürdige Fließgewässer der Schildau eingreift.

„Rückhaltebecken sind technischer Hochwasserschutz im Stil der 1970er Jahre und überholt“, so die einhellige Einschätzung der Vorstände des BUND-Regionalverbands Westharz, Knut Haverkamp und Dr. Friedhart Knolle, sowie Mathias Kumitz von der NABU-Kreisgruppe Goslar. Viel wichtiger sei die Renaturierung der Fließgewässer, das Freihalten der Flussauen von Bebauung und die Ausweisung von weiteren Retentionsflächen im Bereich der Nette und ihrer Nebenflüsse.

Wie wenig Rückhaltebecken nützen, zeigt das Beispiel Rhüden sehr eindrucksvoll. Seit 1998 gab es in Rhüden vier Hochwasserereignisse. Das erste Hochwasser ereignete sich 1998 und wurde als Jahrhunderthochwasser bezeichnet. 2002 gab es ein Hochwasser, das etwas glimpflicher ausfiel. Im November 2004 wurde dann das Nette-Rückhaltebecken südlich von Rhüden eingeweiht. Am Montag den 1. Oktober 2007 titelte der Seesener Beobachter: „Das Jahrhunderthochwasser 1998 noch um 20 cm übertroffen. Die Nacht in der die Nette auf einen Pegel von 3,82 Meter stieg.“ 2010 wurde dann der Betriebsplan des Nette-Rückhaltebeckens verändert. Im Mai 2013 wurde Rhüden bei einem Pegelstand von über 3,50 m wieder bis in den Johannesweg überflutet. Allem Anschein nach hat das Rückhaltebecken Rhüden den Anwohnern keinen Hochwasserschutz gebracht. Im Gegenteil: die Hochwasser in Rhüden sind noch höher ausgefallen als in den Jahren davor! Dennoch scheut sich der Nette-Ausbauverband nicht, den Einwohnern von Rhüden und Bornhausen Verbesserungen im Hochwasserschutz zu versprechen!

Abgesehen davon, dass mögliche Alternativen weder technisch noch finanziell ernsthaft geprüft wurden, fällt das Urteil der beiden Umweltverbände über die eingereichten Planunterlagen einhellig und verheerend aus. Die 2008 begonnene Planung ist mindestens in zwei Aspekten völlig ungenügend oder fehlerhaft und damit inakzeptabel: einerseits im Hinblick auf die naturschutzrechtlichen Belange, andererseits auf die Betrachtung und Bewertung der geotechnischen Verhältnisse.

Besonders kritisch sind die fehlerhaften Berechnungen zur Naturschutzbilanz und die durch den Bau der Talsperre gegebene Gefährdung der Groppe zu sehen. Dieser Fisch kommt in der Schildau noch vor und ist als FFH-Art nach europäischem und deutschem Recht geschützt. In Niedersachsen steht er auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Für die Groppe sind bereits kleinste technische Bauwerke unüberwindliche Wanderhindernisse. Die Barrierewirkung eines Staubauwerks in der Schildau würde ihre Überlebenschancen in diesem Fluss massiv negativ beeinträchtigen. Zu diesem Punkt fehlen in den Planunterlagen detaillierte artenschutzrechtliche Prüfungen, die auch den ökologischen Zusammenhang von Schildau und Nette betrachten und analysieren.

Aber nicht nur für Flora und Fauna werden die möglichen Auswirkungen zu wenig betrachtet, auch für die Anwohner können die unzureichenden Untersuchungen gefährlich werden. So weist die geotechnische Untersuchung grobe Mängel auf und ist als Planungsgrundlage nicht geeignet. Der als Dichtung vorgesehene Auelehm weist nach den eigenen Prüfergebnissen des Ingenieurbüros für eine solche Funktion unzureichende Eigenschaften auf. Die größte Gefahr birgt jedoch die unterlassene Untersuchung des Volleinstaus auf den südlichen Hang des Beckens. Für Bornhausen wird damit billigend in Kauf genommen, dass ein Böschungsversagen zu einem Abgleiten großer Erdmassen in das gefüllte Becken oder auf das Sperrwerk führen kann – mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Unterlieger.

Darüber hinaus ist das von den Ingenieuren erstellte hydraulische Untergrundmodell zu klein dimensioniert – es orientiert sich offensichtlich nur an der Ausdehnung des Staubauwerks sowie an morphologischen Merkmalen. Da der Grundwasserleiter aber großflächig aus gut durchlässigem Kies besteht, sind aus hydraulischer Sicht Auswirkungen eines Einstaus im Hochwasserrückhaltebecken noch im großen Umkreis um den Planungsbereich zu erwarten, vor allem Richtung in Bornhausen. Damit sind aber auch keine aussagekräftigen Prognosen zum Wasserstand und zur Vernässungsgefährdung der Ortschaft möglich. Dazu Dr. Friedhart Knolle vom BUND, selbst Geologe: „Nach den in den Planunterlagen aufgezeigten Rahmenbedingungen wird sich der Grundwasserspiegel deutlich ausdehnen. Eine Auswirkung bis in den Bereich der Bebauung ist nicht auszuschließen – unverständlich, dass dies nicht erkannt worden sein soll.“ Die Einwohner von Bornhausen sind damit von der Planung massiv betroffen.

Auch die Planung des Bauwerks selbst weist Mängel auf. Da sie zudem auf den Ergebnissen des Baugrundes fußt, wird auch hier eine weitere Anpassung und Neuberechnung unumgänglich sein.

Einwendungen seitens der Bürgerinnen und Bürger können noch bis zum 28.2.2014 beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Standort Braunschweig, Rudolf Steiner-Straße 5, 38120 Braunschweig, erhoben werden. Unter der Internetadresse http://www.talsperre-bornhausen.de steht eine Mustereinwendung zum Download bereit, die jedoch von jedem Einwender nach seinen Vorstellungen verändert werden kann.

Presse-Mittteilung:
BUND-Regionalverband Westharz

NABU-Kreisgruppe Goslar
Petersilienstr. 23
38640 Goslar
Tel. 05321-4696075

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