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Bohrung trifft auf Morgenstern-Schadstoffe – Grundwasser belastet

Liebenburg – Goslar-Hahndorf. Am 18.2.2013 gegen Mittag war es soweit – die zweite Bohrung an der ehemaligen Kreismülldeponie Morgenstern traf planmäßig auf die Sohle 2 des ehemaligen Eisenerzbergwerks Morgenstern im Salzgitterschen Höhenzug halbwegs zwischen Groß Döhren und Hahndorf. Der Bohrmeißel traf auf den erwarteten Hohlraum, der mit Wasser gefüllt war. Bereits in den Tagen davor war der Bohrmeißel im geklüfteten Gestein oberhalb der Sohle 2 jedoch noch auf etwas anderes getroffen, das weniger Freude auslöste – die befürchteten Schadstoffe der illegalen Sondermüllentsorgung der Firma Florentz. Die erste Bohrung war dagegen auf vergleichsweise dichten Sandstein gestoßen – das könnte bedeuten, dass die Schadstoffe nicht nach Nordosten in Richtung Weddingen sickern, wie oft befürchtet wurde. Diese Zwischenergebnisse wurden noch am Montag taufrisch dem Kreisausschuss für Bauen und Umwelt vorgestellt.

Seit Herbst 2012 untersucht der Landkreis Goslar in Rahmen von zwei Tiefenbohrungen, ob Einflüsse der Altlast im Grundwasserabfluss des Hilssandsteins nordöstlich des Altstandortes Morgenstern oder in der Sohle 2 des ehemaligen Grubengebäudes des Erzabbaubetriebes nachgewiesen werden können. Da auch ein Grundwasserleiter in der geologischen Formation des Flammenmergels angetroffen wurde, ist ein weiterer Beobachtungsbrunnen errichtet worden. Mit dem Abschluss der Bohrarbeiten ist Ende Februar 2013 zu rechnen. Ergebnisse der Grundwasseranalysen aus den drei neuen Grundwassermessstellen liegen voraussichtlich Ende März 2013 vor.

BUND-Geologe Dr. Friedhart Knolle, der die neueren Untersuchungen mit seinen bohrenden Nachfragen immer wieder angestoßen hatte: „Eins kann man jetzt schon festhalten: Die Befürchtungen, die wir immer hegten, haben sich nun leider bestätigt – im Grundwasser rund um die Grube Morgenstern stecken die Schadstoffe auch außerhalb des eigentlichen Deponiekörpers.“

Wie es jetzt weitergeht, wird von den Messergebnissen abhängen, die noch nicht vorliegen, und auch von den Folgerungen der geologischen Gutachter, die den Fall ab Ende März zu bewerten haben. „Die dringend nötige Sanierung der Deponie wird damit nicht kostengünstiger und wahrscheinlich werden auch noch weitere Bohrungen nötig sein“, so die vorläufige Einschätzung des BUND-Geologen. „Die jahrzehntelange Vertuschungspolitik kommt uns heute teuer zu stehen – je länger gewartet wurde, desto kostspieliger wurde der Fall. Daher ist es gut, dass der Landkreis Goslar den Fall nunmehr detailliert untersucht.“

Hintergrund: Die Deponien in der Grube Morgenstern zwischen Goslar-Hahndorf, Liebenburg und Vienenburg – einer der größten Harzer Umweltskandale
Die ehemalige Grube Morgenstern liegt knapp nördlich von Goslar-Hahndorf, gehört jedoch zum Gebiet der Gemeinde Liebenburg. Das Bergwerk umfasste einen Eisenerz-Tage- und Tiefbau im Bereich des Salzgitterschen Höhenzuges. Zu Förder- und Verbindungszwecken wurden Stollen und Strecken aufgefahren, die den südlichen Salzgitterschen Höhenzug über große Teile erschlossen. Durch diese Strecken ist eine unterirdische Verbindung von der Grube Morgenstern bis zu den nördlich gelegenen Abbaugebieten Fortuna bei Groß Döhren und Anna Hoffnung bei Liebenburg gegeben. Der hiesige Bergbau wurde von 1938 bis 1963 betrieben. Die Barbara Erzbergbau GmbH Siegen ist noch immer Gewinnungsberechtigte, auch wenn die Bergaufsicht bereits 1962 mit einem Abschlussbetriebsplan endete.

In der Grube Morgenstern wurde ab ca. 1955 ungeordnet Hausmüll abgelagert. Parallel dazu betrieb das Ehepaar Florentz von 1963 bis 1968 im Bereich der ehemaligen Bergbauanlagen einen Entsorgungsbetrieb für Chemikalienabfälle. Dieser Betrieb wurde jedoch unter den Augen der damals zuständigen Behörden kriminell geführt und es kam im großen Stil zur Verkippung von Fässern und anderen Gebinden sowie zur direkten Verklappung von flüssigen Chemieabfällen in den Tagebau und auch in den alten Schacht der Grube. Diese Situation war für jedermann sichtbar. Auf diese Weise entstand eine der größten Altlasten im Landkreis Goslar. Die konkrete Situation blieb nach dem Selbstmord des Betreiberpaares im Jahre 1968 ungeklärt. Im Juli 1970 wurde das ehem. Betriebsgelände eingezäunt. Am 22. November 1970 kam es im Tagebau zum Großbrand des Fasslagers. Die Löscharbeiten dauerten bis Januar 1971 an, als das Feuer mittels Übererdung erstickt wurde. Ein Teil der oberflächlich lagernden Giftstoffe war verbrannt, die noch zu bergenden Gebinde wurden später fachgerecht entsorgt und der Rest verblieb im Berg.

Der Landkreis Goslar pachtete 1976 den restlichen Bereich der Fläche Florentz/Morgenstern vom Land Niedersachsen und errichtete auf der Altlast nach Planfeststellung die geordnete Abfallentsorgungsanlage Morgenstern. Sie wurde von 1976 bis 1993 betrieben und ist bis heute nicht ordnungsgemäß abgedeckt. Diese Kombination von höchst kritischer Altlast mit unsachgemäß gesicherter Hausmülldeponie ist eine tickende Zeitbombe, die das Grundwasser der Gemeinde Liebenburg und der Stadt Vienenburg gefährdet.

Der BUND Goslar engagiert sich seit Jahrzehnten in diesem Umweltskandal, hat gegen die langanhaltende Vertuschungsstrategie des Landkreises Goslar gearbeitet und bereits viel zur Aufklärung beigetragen. Seit 2010 ist der Landkreis Goslar aufgrund unseres öffentlichen Drucks zu einer offenen Aufklärungsarbeit übergegangen und informiert auch über das Internet (www.landkreis-goslar.de).

Fasshalde im Tagebau der Grube Morgenstern

Pressemitteilung:
BUND-Kreisgruppe Goslar
goslar.bund.net

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