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Naturmythenpfad – ei​ne neue Nationalpark​-Attraktion bei​ Braunlage

Der Naturmythenpfad – eine neue Nationalpark-Attraktion bei Braunlage – Ein Gemeinschaftsprojekt vom Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen und dem Nationalpark Harz

Braunlage. Im Juni 2012 eröffnete in fußläufiger Entfernung zur Stadt Braunlage am Nationalpark Harz den Naturmythenpfad. Start und Ziel des Pfades befinden sich an der Jugendherberge im Nationalparkwald zwischen der Stadt und dem Silberteich. Die Route ist ein leicht begehbarer Rundwanderweg, der von Braunlage ohne PKW erreichbar ist. Er führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft und Vegetation, und man kann ihn in ca. drei Stunden Gehzeit erwandern.

Ziele des Pfades sind die Verdeutlichung von Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Nationalparks und seiner Natur, die Sensibilisierung für den notwendigen Schutz von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen im Nationalpark-Gebiet, Akzeptanz für Funktion, Werte und Schutzzweck des Parks und die Umsetzung des Alleinstellungsmerkmals „Sagenumwobene Bergwildnis“.

Mit dem Naturmythenpfad wurde ein ungewöhnlicher Zugang gewählt: Nicht die reine Wissensvermittlung steht im Vordergrund, sondern unser „mythisches Erbe“. Es geht um die Beziehung Mensch – Natur und ihren Wandel im Laufe der Geschichte. Sie erfahren, wie die Menschen im Wandel der Zeit mit der Natur gelebt haben, was sie gedacht und wie sie sich diese Natur erklärt haben. So erlauben uns Mythen einen Blick auf das frühere Verhältnis Natur – Mensch. Mythen sind also nichts anderes als die historische Variante unseres heutigen Strebens nach der Erkenntnis ökologischer Zusammenhänge.

Ähnlich wie der mittlerweile sehr beliebte Löwenzahn-Entdeckerpfad bei Drei Annen-Hohne auf halbem Weg zwischen Schierke und Wernigerode kann der Erlebnispfad helfen, ein neues Angebot in Sachen Umweltbildung und Tourismus zu schaffen. Mit der Gewinnung neuer Zielgruppen ergeben sich neue Chancen, die es zu nutzen gilt.

Darüber hinaus ist dieses neue Wanderangebot auch ein weiterer Beitrag, die Stadt Braunlage – wie häufig gewünscht – stärker als bisher in die Nationalpark-Arbeit zu integrieren, denn in der Verknüpfung von Natur- und Kulturerlebnissen liegt ein zentraler Ansatz für den gesamten Harztourismus, nicht nur für den Nationalpark. Der Naturmythenpfad ist geeignet, imagebildend auch über die Region hinaus zu wirken.

Erste Ideen für einen solchen Erlebnispfad entstanden schon bald nach der Nationalparkgründung. Angestoßen auch durch den Prozess der Europäischen Charta für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten, in dem die Nationalparkregion mitarbeitet, und in der konkreten Umsetzung des Nationalpark-Alleinstellungsmerkmals „Sagenumwobene Bergwildnis“ wurde das Projekt 2010 entwickelt.

Projektträger des Pfades ist das Bildungswerk Niedersächsischer Volkshochschulen GmbH (BNVHS). Die Überlegungen des Bildungswerks, ein derartiges Projekt gemeinsam mit dem Nationalpark umzusetzen, beruhen auf der Zusammenführung von Regionalentwicklung mit Beschäftigungsförderung. Die Idee dahinter ist, dass Projekte, die eine Region für ihre Einwohner, Besucher und Touristen nachhaltig attraktiver macht, mittelfristig auch die regionale Wirtschaft und somit auch den regionalen Arbeitsmarkt stärken – beides Interessen, die sowohl der Nationalpark Harz als auch das BNVHS vertritt.

Die vom Nationalpark entwickelten Stationen zu Wolf, Märchen und Sagen, Baum, Bach, Silberteich, Vogel, Naturgewalten, Wald und Labyrinth wurden vom Künstlerteam LandArt aus Hannover professionell gestaltet und erlebbar gemacht. Darüber hinaus wurde eine Wunschbaumstation errichtet und auch das Thema Besinnung kommt nicht zu kurz.

Die Stationen wurden im Aus- und Weiterbildungszentrum Goslar des BNVHS in den eigenen Werkstätten von Langzeitarbeitslosen im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit herstellt und vor Ort in enger Kooperation mit dem Nationalpark Harz und dessen Team installiert. Beide Partner haben viel Kraft und Zeit investiert und werden auch künftig bei der weiteren Umsetzung des Projekts eng zusammenarbeiten.

Eine wesentliche Förderung erhielt der Pfad aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE der EU (www.eu-foerdert.niedersachsen.de) über das Programm „Natur erleben“ des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz (www.natur-erleben.niedersachsen.de), ausgegeben von der NBank des Landes, sowie aus Mitteln des JobCenters Goslar. Kooperiert wird mit der Stadt Braunlage und Nationalpark-Partnern wie z.B. der Jugendherberge Braunlage.

Die Natur muss gefühlt werden, wer sie nur sieht und abstrahiert, kann Pflanzen und Tiere zergliedern, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd sein (Alexander Freiherr von Humboldt)

Das über den Pfad vermittelte Naturerlebnis ist ganzheitlich angelegt:
– Ein Weg durch die Landschaft: Das Erlebnis der konkreten Natur, durch die der Weg führt, steht hier im Vordergrund.
– Ein Weg zu sich selbst: Das Naturerlebnis, kombiniert mit den emotionalen Eindrücken der mythischen Bezüge, soll den Besucherinnen und Besuchern ein neues Verhältnis zur Natur vermitteln. Der Weg über die Mythen führt zur (Wieder-)Entdeckung der Natur.
– Ein Weg zum Wissen: Vermittlung von Information, das in Form der Stationen vermittelt und durch die begleitenden Medien wie Internet und Faltblättern nachhaltig aufbereitet wird.
– Ein Weg zur Interaktion: Die Besucherinnen und Besucher soll in ein aktives Verhältnis zur Natur und den speziellen Themen des Pfades gesetzt werden.

Alles viel zu theoretisch ? Jeder Station ist ein „Buch“ in einer „Waldbibliothek“ zugeordnet, in dem man nachlesen kann. Hier ein Beispiel zur Station „Wolf“.

Auf den Spuren der Beziehung zwischen Wolf und Mensch
Kein anderes Tier weckt im europäischen Kulturkreis stärkere Assoziationen und Gefühle als der Wolf. An ihm offenbart sich unser gespaltenes Verhältnis zur Natur und zu uns selbst.

Ursprung und Mythos: Noch in der Altsteinzeit lebten Wolf und Mensch im Einklang miteinander. Er war weder als Nahrungskonkurrent gefürchtet noch wurde er als bedrohlich für Leib und Leben empfunden. Bei den Naturvölkern wurde er als Bruder verehrt und bewundert. Als Herrscher der Erde stand er für Weisheit und Gerechtigkeit. Im römischen Kulturkreis sollen die Gründerväter der Stadt Rom – Romulus und Remus – von einer Wölfin gesäugt worden sein. Von den Germanen wurde er verehrt, galt aber auch als Symbol dunkler Mächte.

Vertreibung (Mittelalter) und Mythos: Im Mittelalter wurde dem Wolf, ausgelöst durch die intensive Landnutzung des Menschen für Ackerbau und Viehzucht, ein Großteil seiner Lebensgrundlage entzogen. Seine Beutetiere zogen sich ins Gebirge zurück. Der Wolf musste, um überleben zu können, Haustiere, Schafe und Rinder reißen. Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“ zeugen bis heute davon. Die Ausrottung begann. Der letzte Wolf im Harz wurde 1798 erlegt.

Heute und Mythos: Heute wie damals entspricht unser Bild vom Wolf kaum der Realität. Er gilt als letztes Überbleibsel einer heilen Wildnis und wird in unserer Vorstellung entweder verharmlost oder als Bestie gesehen. Dabei geht es nie um den Wolf selbst, sondern nur um die vielen Zerrbilder in unseren Köpfen. Heute müssen wir ihn nicht mehr als Nahrungskonkurrenten fürchten und wissen, dass der Mensch nicht in das Beuteschema des Wolfes gehört.

Lassen Sie sich also bei einem Besuch mal überraschen!

Der Artikel basiert auf einer gemeinsamen Presse-Information des Bildungswerkes Niedersächsischer Volkshochschulen GmbH und des Nationalparks Harz

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